Resilienz, was bedeutet das? Diesen Begriff findet man in der deutschen Sprache in verschiedenen Bereichen wieder. In den Ingenieurwissenschaften ist ein technisches System resilient, wenn es bei einem Teilausfall der Anlage nicht komplett versagt. In der Soziologie beschreibt es Gesellschaften, die externe Störungen verkraften können. Resilienz in der Psychologie beschreibt die geistige Widerstandsfähigkeit, also die Fähigkeit, trotz negativen Erlebnissen nicht aufzustecken, sondern gerade durch diese Ereignisse den Ansporn für Entwicklung zu gewinnen. Egal in welchem Bereich der Begriff benutzt wird, im Allgemeinen beschreibt er immer die gleiche Fähigkeit eines Organismus, eines Systems oder einer Struktur: die Fähigkeit äußeren Einflüssen standzuhalten und trotzdem zu funktionieren. Diese Eigenschaft besitzt jeder, bei dem einen mehr ausgeprägt, bei dem anderen weniger. Sie ist abhängig von den Erlebnissen der Person. Eine Person verhält sich widerstandsfähiger gegenüber Rückschlägen, wenn sie in ihrem Leben oft Gutes erfahren hat und einige persönliche Erfolge erreichte.

Die Säulen

Um die eigene Resilienz steigern benötigt man eine gesunde Portion Optimismus. Mit gutheißender Weitsicht und einem positivem Selbstkonzept kann in der Zukunft aus jeder Lebenskrise etwas Gutes hervorgebracht werden. Diese ermutigende Selbsteinstellung bildet damit die erste Säule der Resilienz. Die Akzeptanz stellt die zweite Säule dar. Um voran zu kommen, muss man die derzeitige Situation und auch den Weg dahin akzeptieren, denn jeder hat eine eigene Verantwortung für seine Gedanken, Gefühle und Taten. Daraus folgt auch, dass man selbst dafür verantwortlich ist zu handeln, um die eigene Situation zu ändern. Man darf sich dabei nicht auf die Hilfe von anderen verlassen. Dieser Umstand muss jedem bewusst sein. Unterstützt durch die erste Säule ergibt sich eine weitere: bestehende Probleme werden nicht als Hindernisse gesehen, sondern eher als Wegbereiter für die Zukunft. Daraus resultiert die Steuerung der eigenen Taten um die neuen Ziele zu gestalten und den Weg dahin zu planen. Die geistige Resilienz wird außerdem besonders beeinflusst durch die zwischenmenschlichen Beziehungen des Menschen. Fühlt man sich bei seinem Partner geborgen und man vertraut ihm, beeinflusst das die Gedanken in besonderem Maße positiv. Gleiches gilt für den Rückhalt, den man durch die Familie erfährt. Doch genauso kann sich das negativ auswirken, wenn diese Beziehungen nicht bestehen oder geschädigt sind.

Ein Fallbeispiel

Ein Beispiel soll die Verständnis für die Säulen der Resilienz erhöhen: Stellen Sie sich einen Mann vor, der nach Beendigung seiner Schulzeit eine Berufsausbildung abgeschlossen hat und bereits einige Jahre in seinem Unternehmen erfolgreich arbeitet. Er verdient gutes Geld, führt eine glückliche Beziehung und ist unverzichtbar in seinem Sportverein. Doch durch Spekulationen an der Börse hat er viel Geld verloren und hat ebenso Schulden bei der Familie gemacht. Irgendwann realisiert er, dass er so nicht weiter machen kann und sucht die Ursachen für sein Problem. Schnell wird ihm klar, dass seine Tätigkeit an der Börse ihn in ein finanzielles Ungleichgewicht gebracht hat und er diese beenden muss, denn noch ist es nicht zu spät um die Kurve zu kriegen (Optimismus). Er bespricht das mit seiner Freundin und sie spricht ihm gute Worte zu und verspricht ihm die volle Unterstützung ihrerseits (zwischenmenschliche Beziehung). Daraufhin beschließt er alle seine Aktien loszuwerden und seine Börsenaktivität zu beenden. Außerdem beginnt er einen Nebenjob um den Geldverlust wieder auszugleichen und die Schulden bei der Familie zu begleichen (Selbstverantwortung, Lösungsorientierung).

Als resilienter Mensch hat er auf den Rückschlag, den er erlebt hat, richtig reagiert und hat versucht durch einen Mehraufwand an Arbeit, aus seiner Situation heraus zu kommen.

Denn jeder Mensch kann sich verbessern, wenn er es will. Die schwierigste Aufgabe dabei ist meist nur, den inneren Schweinehund zu bewältigen und etwas zu verändern in seinem Alltag.